HERAUSFORDERUNG

Der Umgang mit Konflikten und mit dem Nicht-Einhalten von Spielregeln bei Kindern und Jugendlichen ist eine Herausforderung in allen Lebensbereichen, von der Kita bis in die Ausbildung:

Gerade die Jüngsten in der Kita haben wenig Verhaltensrepertoire und sind aufgrund ihrer Entwicklung für viele Wege noch gar nicht erreichbar. In der Schule  münden Konflikte häufig in Unterrichtsstörungen und in verbalen bzw. körperlichen Auseinandersetzungen wie Beleidigungen, Ausgrenzungen und gewaltsamer Durchsetzung der eigenen Interessen. Insbesondere Jungen suchen über Körperkontakt Anerkennung und Wahrnehmung durch andere:

Wenn zwei Jungen sich gegenüber stehen und aus Spaß Ernst wird, können beide nur verlieren: Steckt einer zurück, verliert er sein Gesicht – vor den Kumpels. Haut einer drauf, gilt er als aggressiv und hat Repressalien zu erwarten – von den Erwachsenen. Das ist das Jungen-Dilemma. Sie wissen nicht, wie sie die Situation und die Gewaltspirale ohne Verluste beenden können.

In der Schule macht eine Klassenstärke von durchschnittlich 25 bis 30 Schüler(inne)n eine häufige Konfliktlösung in der Unterrichtssituation zudem kontraproduktiv, wenn dadurch mit Unterrichtszeit bezahlt oder wenn den verhaltensoriginellen und herausfordernden Kindern und Jugendlichen eine Bühne geboten wird. Am Ende leiden alle: Die betroffenen Schüler, die Lehrer und auch alle unbeteiligten Mitschüler, für die eine Fürsorgepflicht besteht und die ein Recht auf Bildung haben, das in einer solchen Situation nicht umsetzbar ist.

Wer nicht direkt am Konflikt beteiligt ist, ist dennoch indirekt betroffen: Als Täter, als Opfer oder als Zuschauer, um sich nur selbst zu schützen. Es entsteht eine Kultur des Weg-Sehens.  Aufgrund der Eigendynamik der Konflikte werden dabei immer wieder die Rollen getauscht, so dass das Geschehen undurchsichtig bleibt. Dieses lässt sich im Nachhinein nicht befriedigend auflösen: Erwachsene stehen den Situationen deshalb häufig hilflos gegenüber, kommen oft erst hinzu,  wenn der Konflikt schon eskaliert ist oder haben keine wirksame Lösung. Besser wäre, der Konflikt wäre gar nicht erst entstanden.

Erfahrungsgemäß wird mit Gesprächen und Disziplinierungsmaßnahmen reagiert. Beides zeigt verhaltensoriginellen und herausfordernden Kindern und Jugendlichen keine Alternativen auf und entwickelt ihre sozialen Kompetenzen nicht ausreichend für ein gutes Miteinander. Statt dessen dreht sich die Spirale nach unten. Denn jedes Kind (und auch jede/r Erzieher, Lehrkraft, Ausbilder und Betreuer) wählt jeweils das Verhalten, das aus seiner  Sicht am erfolgversprechendsten ist UND das es zur Verfügung hat, um sein Ziel zu erreichen.

1. Wie also können Erzieher, Lehrkräfte, Betreuer etc. die Kinder und Jugendlichen dabei begleiten, angemessene Verhaltensweisen zu entwickeln?

Betriebe beklagen mangelnde soziale Kompetenzen, Stichwort „Ausbildungsfähigkeit“. Damit die Ausbildungszeit und der anschließende Einstieg in das Berufsleben  gut gelingen, sind Rollenklarheit und die Fähigkeit, sich konstruktiv in unternehmerische Bezüge einzubringen, Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit im Betrieb. Dabei sind die Anforderungen gestiegen: Unternehmen arbeiten komplexer und die Balance zwischen der Erreichung unternehmerischer Ziele einerseits und konstruktivem sozialen Miteinander andererseits ist schwerer zu halten. Die Generationen haben sich verändert – viele Auszubildende der Generation Y benötigen eine andere „soziale Ausbildung“ für die Integration in den Betrieb – eine veränderte Anforderung an  die Ausbilder. Je besser die Beteiligten zusammen arbeiten, desto erfolgreicher ist die Ausbildung und desto höher ist die Zufriedenheit – auf beiden Seiten.

2. Wie können Ausbilder die Auszubildenden erreichen? Welche Kompetenzen brauchen Ausbilder und Auszubildende heute?

Mitarbeiter in Unternehmen und Behörden mit öffentlichen Publikumsverkehr sind zunehmend Bedrohungssituationen ausgesetzt. Kunden fühlen sich ungerecht behandelt, es entstehen Konflikte. In dieser Dynamik bleibt es nicht immer bei Worten, manche „rasten aus“.

3. Welche deeskalativen Möglichkeiten hat der Einzelne in Bedrohungs- und Konfliktsituationen? Und wenn alles nichts hilft: Wie können Behörde und Mitarbeiter sich schützen?